Auf der Suche nach interessanten Wandgestaltungsmöglichkeiten sind die Wohnengel auf die traditionelle italienische Glättetechnik Stucco Veneziano gestoßen. Diese besonders aufwendige und edle Wandverschönrung hat die Engel so sehr begeistert, dass sie sich gleich Fachmann Ludger aus dem Paint Quality Institut zu einem schnell Lehrgang für Engel eingeladen haben. Gemeinsam wollen die drei eine Holzplatte mit der ursprünglich aus Venedig stammenden Wandgestaltungstechnik bearbeiten.

Stucco Veneziano kommt in mindestens sechs Schichten zustande. Wer diese Technik anwenden will, braucht eine absolut glatte Wand. Die für die Arbeit benötigte Spachtelmasse ist ein mineralisches Produkt. Dementsprechend muss auch die Wand vorbereitet werden, auf der die Technik wirken soll, nämlich mit einem Mineralgrund, der aufgerollt wird und dafür sorgt, dass die weiteren Schichten richtig haften. Für die Demonstration hat Ludger eine Holzplatte vorbereitet. Hier reicht es aus, mit weißer Innendispersionsfarbe vorzubereiten. Jetzt geht es richtig los und die Engel sind an der Reihe. Sie bestreichen die gesamte Platte mit dem Mineralgrund. Sobald dieser aufgetragen und getrocknet ist, wird die Fläche mit einem Schleifpapier von 80er bis 120er Körnung geschliffen. Ludger rät den Engeln, beim ersten Schleifgang nur einmal leicht aber gründlich drüber zu schleifen. Nach jeder Schleifaktion ist es wichtig, den feinen Staub gründlich abzuwischen. Das erledigt Ludger mit einem feuchten (nicht nassen) Tuch selbst.

Da sich Ludger und die Engel bei der Demonstrationsplatte für eine Gestaltung des in pompejanisch-rot entschieden haben, klebt Ludger bevor es weiter geht erst mal mit Kreppband rund um die Platte einen Rahmen ab. Der später weiß bleibende Rahmen erzielt zum einen einen optisch sehr wirkungsvollen Effekt und lässt die Platte besonders edel erscheinen. Aber auch bei der Gestaltung an der Wand empfiehlt es sich zur Decke hin einen Rand zu lassen, dass vereinfacht die Verarbeitung.

 

Jetzt wird die erste Schicht Spachtelmasse „Stucco Fondo“ aufgetragen. Das ist eine mineralisch gebundene Kalk-Granit-Mischung. Dazu gibt Ludger den Engeln einen Japanspachtel. Mit einer Glättekelle ginge es auch. Mit dem Spachtel eine kleine Menge Spachtelmasse auf die Platte geben und dann den Japanspachtel leicht schräg ansetzen und die Masse auf der Platte vollflächig und ganz dünn aufgetragen. Dabei ist wichtig, dass keine Kanten oder Rillen entstehen. Das Ganze muss dann erstmal zwischen einer und fünf Stunden trocknen, je nach Auftrag.

Die Fläche wird nach der Trocknungszeit mit 320er Schleifpapier abgeschliffen, dann wird eine zweite Schicht Stucco Fondo aufgetragen. Auch diese muss erst wieder trocken, bevor die Platte noch mal mit 320er Schleifpapier behandelt wird. Und nicht vergessen regelmäßig den Staub gründlich wegwischen!

Falls jetzt noch Unebenheiten da sein sollten, kommt noch eine dritte Schicht Stucco Fondo drauf, aber in der Regel genügen zwei Durchgänge. Darüber sind die Engel ganz froh, denn sie sind vor lauter Spachteln und Schleifen schon ganz aus der Puste und noch hält sich der optische Effekt dezent zurück.

 

Das wird sich schon beim nächsten Arbeitsschritt ändern, denn nun folgt der erste Auftrag in Farbe. Stucco Veneziano, eine Spachtelmasse auf Löschkalk- und Marmormehlbasis, ist an der Reihe. Es gibt sie in verschiedenen Farbtönen fertig zu kaufen. Die Engel wählen für ihre Demoplatte die Spachtelmasse in pompejanisch-rot, wie gesagt das wirkt besonders edel.

Jeder Engel erhält von Ludger einen zweiten Japanspachtel. Der Auftrag der Masse erfordert ein bisschen Übung. Zunächst wird der Stucco Veneziano aufgestrichen, aber damit ist die Schicht noch zu dick. Also wird was zuviel ist in einem zweiten Schwung im 90-Grad-Winkel wieder abgezogen und am zweiten Spachtel abgestreift. Also einmal längs, einmal quer arbeiten. Auftragen und wieder abziehen. Dabei bearbeitet man im ersten Durchgang die Platte nicht flächendeckend, sondern lässt Lücken frei, so dass nur ca. drei Viertel der zu bearbeitenden Fläche mit der Spachtelmasse versehen werden. Nach dem Trocknen wird auch dieser Putz mit 600er Schleifpapier abgeschliffen und zwar überall dort, wo kleine Unebenheiten sind.

Wenn die Fläche wieder staubfrei ist, kommt die nächste Schicht drauf, genau wie beim ersten Mal, allerdings sind jetzt die Stellen dran, die vorher noch weiß geblieben sind. Besonders die Ränder werden in diesem Auftrag gründlich ausgespachtelt, so dass es später einen schönen Abschluß zum Rahmen gibt. Hier arbeitet man ein bisschen nach Gefühl. Anschließend heißt es wieder schleifen, wieder säubern, und dann kommt eine letzte Schicht Stucco Veneziano, die anschließend mit 1200er, also sehr feinem Schleifpapier, abgeschliffen wird.

 

Uff! Die Engel sind erschöpft! Aber nein, noch nicht fertig! Jetzt heißt es Endspurt, den zum Schluss wird noch mit dem Spachtel poliert. Damit dabei keine Dellen in die hart erarbeitete Fläche kommen, feilt Ludger die Kanten des Spachtels mit Schleifpapier ab. Damit weiß, mit welcher Seite des Spachtels er die Wand behandeln darf, macht er sich eine Markierung mit Klebeband. Die Seite, von der aus er die Kanten von sich weg glatt geschliffen hat, darf an die Wand. Die andere zeigt zu ihm nach vorne.

Jetzt erscheint endlich der wohlverdiente Lohn für die Mühen. Ludger und die Engel beginnen sich noch während des Polierens regelrecht in der Platte zu spiegeln. Die Platte glänzt und sieht aus wie Marmor. Ludger zieht noch das Kreppband ab. Der weiße Rand steigert tatsächlich die edle Wirkung tatsächlich noch. Die Engel sind begeistert und die Anstrengung ist wegen des hinreißenden Ergebnisses sofort vergessen.

Übrigens: Angesichts des Aufwands verwundert der auch stolz anmutende Preis nicht den ein Profi für den Quadratmeter berechnet: Zwischen 120 und 200 Euro muss man hier anlegen - aber dafür hat man auch etwas besonders schönes.

 


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